Unverhältnismäßige Gewalt bei Friedensmärschen in der DR Kongo

Unverhältnismäßige Gewalt bei Friedensmärschen in der DR Kongo

(Berlin, 23.01.2018) Das Ökumenische Netz Zentralafrika (ÖNZ) ist bestürzt über die enorme Gewalt, mit der Sicherheitskräfte am Sonntag, den 21. Januar in vielen Teilen der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) gegen die Zivilbevölkerung vorgegangen sind und verurteilt dieses Handeln zutiefst. „Wir fordern alle politischen und kirchlichen Verantwortlichen in Deutschland und der EU auf, diese brutale Gewalt gegenüber friedlichen Demonstranten und Gläubigen auf das Äußerste zu verurteilen und mit allen Mitteln die Verantwortlichen für diese Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen“, so Gesine Ames, die Koordinatorin des Ökumenischen Netz Zentralafrika.

Die katholische Kirche hatte mit Unterstützung der muslimischen Gemeinschaft und Teilen der protestantischen Kirche erneut zu friedlichen Protestmärschen gegen die Regierung aufgerufen. Diese hatte die Proteste im Vorfeld offiziell verboten. Seit Samstag ist die Internetverbindung in weiten Teilen des Landes unterbrochen. Der Marsch in Kinshasa fand am Sonntag nach der Morgenmesse statt und wurde auch von geistlichen Vertretern begleitet. Die Polizei reagierte auf die friedlich Protestierenden mit Tränengas und Schüssen. Dabei wurden über 50 Personen verletzt, sechs Personen getötet und Unzählige verhaftet. Auch in den Städten Goma und Bukavu im Osten des Landes kam es zu Ausschreitungen mit über 20 Verletzten und vielen Verhaftungen.

Bereits am 31. Dezember 2017 hatte die katholische Kirche zu Friedensmärschen aufgerufen, um an das gescheiterte Silvesterabkommen zwischen Regierung und Opposition von vor einem Jahr zu erinnern. Polizei und Sicherheitskräfte gingen auch dort mit unverhältnismäßiger Gewalt gegen Kirchgänger und Priester vor und schossen in die Menge. Die Bilanz waren mindestens neun Tote, zahlreiche Verletzte und unzählige Verhaftungen.

Kabila hätte laut kongolesischer Verfassung am 19. Dezember 2016 zurück treten müssen. Die Präsidentschafts- und Parlamentswahlen wurden zweimal unter fadenscheinigen Gründen verschoben. Die Proteste gegen das Festhalten des Präsidenten an seiner Macht forderten seitdem Hunderte von Toten. Demonstranten werden willkürlich festgenommen, der Handlungsradius der Opposition wird mit allen Mitteln eingeschränkt. Das entstandene politische Vakuum ist darüber hinaus Nährboden für die Eskalation bereits vorherrschender Konflikte. In weiten Teilen des Landes hat sich die Sicherheitslage im Laufe des Jahres 2017 weiter verschlechtert. Ende Oktober 2017 haben die Hilfswerke der Vereinten Nationen (VN) für die DR Kongo mit „Level 3“ die höchste humanitäre Alarmstufe ausgerufen. Die VN zählen rund 1,7 Millionen Binnenvertriebene. Landesweit sind circa 3,9 Millionen Menschen auf der Flucht.

Das ÖNZ ist ein Netzwerk christlicher Hilfswerke in Deutschland für Frieden und Menschenrechte in Ruanda, Burundi und der DR Kongo. Mitglieder des ÖNZ sind AGEH, Brot für die Welt, Eirene, Misereor, pax christi und die Vereinte Evangelische Mission.

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Gesine Ames

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Erscheinungsdatum

23 Januar 2018

Themen

Gewalt, Präsidentschaftswahl, Kirche, Zivilgesellschaft