ÖNZ-Pressemitteilung zur Eroberung der Grenzstadt Uvira durch die AFC/M23

Das ÖNZ zur Eskalation im Osten der DR Kongo: AFC/M23 nimmt die Grenzstadt Uvira ein und riskiert eine regionale Ausweitung des Konflikts auf Burundi. 

Die Bundesregierung muss den Druck auf alle Konfliktparteien – insbesondere auf die AFC/M23 und die ruandische Regierung – intensivieren und sich für ein Ende der Gewalt und nachhaltige Friedensprozesse einsetzen 


(Berlin, 12.12.2025) Angesichts der erneuten Gewalteskalation im Osten der DR Kongo muss die Bundesregierung ihren Einfluss geltend machen und gemeinsam mit ihren europäischen Partnern den Druck auf die Konfliktparteien noch einmal erhöhen, damit diese die Gewalt beenden. Darüber hinaus sollte sie sich für nachhaltige Verhandlungsprozesse einsetzen, die die Ursachen des Konflikts adressieren und die Zivilgesellschaft einbinden. Sollte die AFC/M23 ihren Eroberungszug fortsetzen, muss sich die Bundesregierung für die Verhängung weiterer gezielter EU-Sanktionen stark machen sowie für eine Aussetzung der EU-Hilfen für den Einsatz der ruandischen Armee in Mosambik eintreten. 

Fast ein Jahr nach der Einnahme von Goma und Bukavu stellt die Einnahme der zweitgrößten und strategisch wichtigen Stadt Uvira in der Provinz Süd-Kivu am 9. Dezember 2025 durch die von Ruanda unterstützte AFC/M23 eine gefährliche Entwicklung dar. Im Zuge der jüngsten Offensive flohen binnen weniger Tage über 200.000 Menschen vor den Kampfhandlungen, wobei bis zu 30.000 Menschen die Grenze nach Burundi überquerten. Laut Angaben der UN wurden 74 Menschen bei dem Vorrücken auf Uvira getötet und 83 verletzt, darunter vor allem Zivilist:innen. 

„Die jüngsten Entwicklungen unterstreichen die Diskrepanz zwischen internationalen Zusagen und den tatsächlichen Gegebenheiten vor Ort: Während die AFC/M23 weiterhin von ruandischen Truppen unterstützt wird und ihr Einflussgebiet ausweitet, ist die Zivilbevölkerung der Gewalt schutzlos ausgesetzt. Die Offensive birgt außerdem eine gefährliche regionale Dimension: aufgrund der strategisch wichtigen Lage Uviras an der Grenze zu Burundi, besteht die reale Gefahr, dass sich der Krieg auf das Nachbarland ausweitet.“ 

Ciaran Wrons-Passmann, Leiter des Ökumenischen Netz Zentralafrika

Die jüngste Konflikteskalation ereignet sich trotz der Unterzeichnung eines Friedensabkommens zwischen der DR Kongo und Ruanda am 4. Dezember in Washington sowie der Vereinbarung eines Rahmenabkommens zwischen der DR Kongo und der M23 im November. Wenngleich beide Prozesse die Achtung der territorialen Integrität des jeweils anderen Staates, ein Ende der Gewalt sowie die Aufnahme von Verhandlungen über einen dauerhaften Waffenstillstand vorsehen, macht der jüngste Gewaltausbruch deutlich, dass sie augenscheinlich von der Realität vor Ort abgekoppelt sind.

 

Kontakt: Ciaran Wrons-Passmann 
E-Mail office@oenz.de 
Tel. +49 (030) 4862 5700