Zum Tod von Dr. Jochen Motte

Das Ökumenische Netz Zentralafrika und seine Mitglieder trauern um einen der Mitbegründer des ÖNZ sowie engagierten Verfechter für die Menschenrechte in der Region der Großen Seen.

Unser Freund und Mitglied Dr. Jochen Motte ist am 8. Januar 2026 nach langer Krankheit gestorben. Wir sind traurig und zutiefst erschüttert.
Mit ihm gehen Teile der Geschichte und des institutionellen Gedächtnisses unseres Netzwerks. Seine Expertise und seine Fähigkeit, Menschen miteinander zu verbinden, dabei immer nach Lösungen zu suchen, waren für uns Ansporn, auch in schweren Zeiten nach vorne zu schauen. 

Jochen hat das Ökumenische Netzwerk Zentralafrika vor 24 Jahren mitgegründet. Mit seinem ihm eigenen Weitblick hat er gemeinsam mit den Partnerorganisationen im globalen Süden die Einhaltung der Menschenrechte weltweit eingefordert. Wir haben ihn als unbestechlich und zielgerichtet erlebt, angetrieben von tiefer Empathie für von Unrecht und Gewalt Betroffene. Sein Engagement hat er mit vielen geteilt. In Wuppertal, Berlin, Genf, Straßburg und an vielen anderen Orten bleibt sein Name mit dem Kampf um Recht und Gerechtigkeit verbunden.

Wir sind dankbar für die Zeit, die wir miteinander hatten. Niemand wird in seine Fußstapfen passen. Aber wir werden fortführen, was er angefangen hat, mit unseren eigenen Fähigkeiten und in tiefem Respekt über das, was er uns hinterlässt.

 

 

Le Réseau œcuménique Afrique centrale et ses membres pleurent la disparition de l'un des cofondateurs du ROAC et fervent défenseur des droits humains dans la région des Grands Lacs.

Notre ami et membre, le Dr Jochen Motte, est décédé le 8 janvier 2026 après une longue maladie. Nous sommes tristes et profondément bouleversés.
Avec lui disparaissent une partie de l'histoire et de la mémoire institutionnelle de notre réseau. Son expertise et sa capacité à mettre les gens en relation, tout en recherchant toujours des solutions, nous ont encouragés à aller de l'avant, même dans les moments difficiles.

Jochen a cofondé le Réseau œcuménique pour l'Afrique centrale il y a 24 ans. Avec sa clairvoyance caractéristique, il a exigé, en collaboration avec les organisations partenaires du Sud, le respect des droits humains dans le monde entier. Nous l'avons connu comme un homme intègre et déterminé, animé par une profonde empathie pour les victimes d'injustice et de violence.
Il a partagé son engagement avec beaucoup de personnes. À Wuppertal, Berlin, Genève, Strasbourg et dans de nombreux autres endroits, son nom restera associé à la lutte pour le droit et la justice.

Nous sommes reconnaissants pour le temps que nous avons passé ensemble. Personne ne pourra suivre ses traces. Mais nous poursuivrons ce qu'il a commencé, avec nos propres capacités et dans le profond respect de ce qu'il nous laisse.

Wir betrauern zutiefst den Tod von Dr. Jochen Motte am 8. Januar 2026 

Jochen Motte hat das Bündnis Internationale Advocacy Netzwerke (IAN) ganz wesentlich mit aus der Taufe gehoben und hat unser anwaltschaftliches, solidarisches Handeln zum Schutz und zur effektiven Umsetzung von Menschenrechten aktiv mitgeprägt. Am 8. Januar 2026 ist er leider nach langer, schwerer Krankheit verstorben. Wir vermissen seine Tatkraft, Beharrlichkeit und menschliche Anteilnahme an unserem Engagement.

Jochen Motte war immer schon ein hellsichtiger Akteur, der nach der praktischen Wirkung unserer Aktivitäten zur Verteidigung der Menschenrechte fragte. Er hatte dabei nicht allein die Lage in den Ländern Afrikas, Asiens und Lateinamerikas im Blick, sondern wusste, dass zivilgesellschaftliches Handeln dort zugunsten der Menschenrechte eng mit politischen Entscheidungen in Deutschland und in Brüssel verknüpft ist, die etwa im Gebiet der Großen Seen, in den Philippinen, in Indonesien, Westpapua, Südasien oder Lateinamerika dort das gesellschaftliche Umfeld für die Verteidigung der Menschenrechte beeinflussen – zum Guten wie zum Schlechten.

Jochen wusste darüber hinaus, dass die Stimmen und Interessen derjenigen, deren Menschenrechte verletzt werden, noch besser Gehör finden, wenn wir Rechtsstaatlichkeit, Meinungs- und Versammlungsfreiheit sowie offene Räume für zivilgesellschaftliches Handeln gemeinsam vortragen, im Bündnis mit anderen. Er war hier seit Beginn der 1990er Jahre treibende Kraft für das Forum Menschenrechte, das Aktionsbündnis Menschenrechte – Philippinen, das Westpapua-Netzwerk oder die Sri Lanka Advocacy. 

Und Jochen wusste, dass manche Muster an Menschenrechtsverletzungen mit einem Länder und Regionen übergreifenden Politikansatz angegangen werden müssen. Im Rückblick scheint es naheliegend, das solidarische Handeln einzelner Netzwerke zugunsten der Menschenrechtsverteidiger:innen vor Ort ebenfalls zu bündeln, um eine größere Aufmerksamkeit und politische Schlagkraft zu erzielen.

Jochen hat das scheinbar Naheliegende mit großer Tatkraft und Beharrlichkeit in Szene gesetzt und den Gründungsprozess des IAN-Bündnisses ab 2014 aktiv mit betrieben. Er hat uns mit seiner Erfahrung und Kenntnis der deutschen Politik viele Türen öffnen helfen. Aus anfänglich einem Dutzend Netzwerke sind ab 2014 zwischenzeitlich zwei Dutzend Netzwerke im IAN-Bündnis aktiv, schreiben thematisch orientierte Jahresberichte und spiegeln die menschenrechtliche Verantwortung deutscher und europäischer Politik in Ländern des Globalen Südens in direkten Gesprächen mit hochrangigen Politiker:innen in Berlin.

Wie groß die Lücke ist, die Jochens Tod für unser solidarisches Handeln bedeutet, lässt das Vorgesagte bereits ahnen: Sie ist unermesslich. Wir verlieren aber nicht nur einen energischen Mitstreiter, sondern auch einen Freund. Die Zusammenarbeit mit Jochen war ohne Zweifel anspruchsvoll, gleichzeitig fair, menschlich zugewandt und offen für andere Vorschläge. Wir werden weiterhin von seinem Vertrauen in unsere Tatkraft und intellektuelle Redlichkeit sowie seinen hohen Standards für unser anwaltschaftliches Handeln zur Verteidigung der Menschenrechte zehren.

Wir möchten Jochens Frau und seiner Familie unsere große Anteilnahme an seinem Tod zum Ausdruck bringen. Er hat uns nachhaltig inspiriert und Gerechtigkeit als zentralen Begriff für sein eigenes Wirken erlebbar werden lassen.

Mit großer Dankbarkeit für sein Wirken, das lebendig bleiben wird!

Adivasi-Koordination in Deutschland e.V.
Aktionsbündnis Menschenrechte – Philippinen
Nepal Dialogforum
Ökumenisches Netz Zentralafrika e.V.
Sri Lanka Advocacy
Stiftung Asienhaus