Interviewanalyse: Drohnenkrieg verändert Konflikt im Osten der DR Kongo

Der Konflikt im Osten der Demokratischen Republik Kongo (DR Kongo) entwickelt sich zunehmend zu einem technologisch geprägten Krieg. In einem Interview analysiert Ladd Serwat, leitender Afrika-Analyst der Konfliktbeobachtungsorganisation ACLED, die aktuelle Lage und erklärt, warum Drohnen inzwischen eine zentrale Rolle im Kampfgeschehen spielen.

Angriff auf Goma als aktuelles Beispiel

Auslöser der jüngsten Diskussionen über Drohnenangriffe ist ein Vorfall in der Stadt Goma. In der Nacht vom 10. auf den 11. März kam es dort zu mehreren Explosionen und Überflügen von Fluggeräten. Goma steht seit 2025 unter Kontrolle der Rebellengruppe M23. Bei dem Angriff wurde unter anderem eine französische Mitarbeiterin von UNICEF getötet.

Die Verantwortung für den Angriff ist bislang unklar. Während die M23 der Regierung in Kinshasa die Schuld gibt, sprechen lokale Quellen davon, dass möglicherweise ein Wohnhaus im Stadtteil Himbi getroffen wurde. Eine eindeutige Rekonstruktion des Vorfalls gestaltet sich schwierig.

Kamikaze-Drohnen vermutlich eingesetzt

Serwat weist darauf hin, dass im Konfliktgebiet derzeit drei verschiedene Arten von Drohnen genutzt werden. Neben klassischen militärischen Kampfdrohnen und umgebauten kommerziellen Quadcopter-Drohnen kommen zunehmend sogenannte Kamikaze-Drohnen zum Einsatz.

Die Hinweise aus den verfügbaren Bildern und Berichten sprechen laut dem Analysten dafür, dass beim Angriff auf Goma Drohnen mit starren Tragflächen eingesetzt wurden. Diese sogenannten Kamikaze-Drohnen sind vergleichsweise günstig, werden einmalig eingesetzt und explodieren beim Aufprall auf ihr Ziel.

Deutlich mehr Drohnenangriffe seit Ende 2025

Ein zentrales Ergebnis der ACLED-Datenanalyse ist der stark gestiegene Einsatz von Drohnen in der Region. Seit Ende 2025 hat die Zahl der Angriffe deutlich zugenommen. Allein im Februar wurden 31 Drohnenangriffe registriert – so viele wie zuvor noch nie in einem einzelnen Monat.

Die Drohnen werden dabei nicht nur für einzelne Angriffe eingesetzt, sondern zunehmend auch zur Unterstützung von Bodentruppen oder für koordinierte militärische Operationen.

Kämpfe um strategische Rohstoffgebiete

Ein besonderer Fokus der Luftangriffe liegt laut Serwat auf Bergbaugebieten in den Provinzen Nord-Kivu und Süd-Kivu. Dort befinden sich zahlreiche strategisch wichtige Rohstoffvorkommen.

Die kongolesische Armee hat in den vergangenen Monaten mehrere von der M23 kontrollierte Minenstandorte aus der Luft angegriffen, darunter auch Stellungen in der Region Rubaya. Diese Entwicklung deutet darauf hin, dass wirtschaftlich bedeutende Ressourcen eine zentrale Rolle im militärischen Kalkül spielen.

Spekulationen über private Militärunternehmen

Immer wieder tauchen auch Gerüchte über die Beteiligung privater Militärunternehmen auf. In diesem Zusammenhang wird häufig der Name Erik Prince genannt, der Gründer der Sicherheitsfirma Blackwater.

Serwat betont jedoch, dass solche Berichte mit Vorsicht betrachtet werden müssen. Zwar hat Prince 2025 ein neues Unternehmen gegründet und einen Vertrag mit der kongolesischen Regierung abgeschlossen, doch konkrete Belege für eine direkte Beteiligung privater Militärakteure an Drohnenoperationen liegen derzeit nicht vor.

Der Konflikt verändert seine Form

Für den Analysten steht dennoch fest, dass sich die Dynamik des Konflikts deutlich verändert. Der Einsatz von Drohnen nimmt zu, die Technologie wird vielfältiger, und Luftangriffe spielen eine immer wichtigere Rolle in der militärischen Strategie.

Der Krieg im Osten der Demokratischen Republik Kongo entwickelt sich damit zunehmend zu einer Form moderner Kriegsführung, in der Luftoperationen – sowohl über Bergbaugebieten als auch über dicht besiedelten Städten wie Goma – eine zentrale Rolle einnehmen.

Das Inerwie ist auf Französisch bei der Deutschen Welle erschienen. 

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