Bericht von Human Rights Watch über Kriegsverbrechen der M23 in Uvira

Der im Mai 2026 veröffentlichte Bericht von Human Rights Watch (HRW) dokumentiert schwere Menschenrechtsverletzungen, die während der Besatzung der kongolesischen Stadt Uvira durch die bewaffnete Gruppe M23 und die ruandische Armee begangen wurden.

Die Einnahme Uviras war von Beginn an von massiver Gewalt gegen die Zivilbevölkerung geprägt. Da die kongolesische Armee und die Wazalendo-Milizen die Stadt zuvor weitgehend verlassen hatten, traf die Gewalt fast ausschließlich unbewaffnete Zivilist:innen. HRW dokumentiert 62 Fälle von illegalen Tötungen und Hinrichtungen. Opfer waren überwiegend Männer und Jungen, die bei systematischen Haus-zu-Haus-Durchsuchungen beschuldigt wurden, den Wazalendo anzugehören. Neben den Tötungen werden in dem Bericht acht Fälle sexueller Gewalt durch M23-Kämpfer und ruandische Soldaten dokumentiert. Besonders gravierend war der weitgehende Zusammenbruch der medizinischen Versorgung während der Besatzung: Viele der Opfer sexueller Gewalt hatten keinen Zugang zu Post-Expositions-Prophylaxe zur HIV-Prävention. Darüber hinaus dokumentiert HRW mindestens zwölf Fälle von Verschwindenlassen. HRW geht davon aus, dass die in Frage kommenden Personen zwangsrekrutiert wurden.

Für Human Rights Watch ist die rechtliche Bewertung eindeutig: Aufgrund seiner effektiven Kontrolle über die M23 sowie über große Teile von Nord- und Süd-Kivu gilt Ruanda völkerrechtlich als Besatzungsmacht. Die koordinierte und systematische Art der Übergriffe spricht dafür, dass Kommandeure davon wussten und diese billigten – was den Verdacht auf Kriegsverbrechen und eine entsprechende Verantwortlichkeit begründet. 

HRW fordert Ruanda auf, seine Unterstützung für die M23 einzustellen, verantwortliche Militärangehörige zu suspendieren und strafrechtlich zu verfolgen sowie Reparationen zu leisten. An die DR Kongo, die Afrikanische Union und den Internationalen Strafgerichtshof richtet HRW den Appell, unabhängige Untersuchungen zu unterstützen, Sanktionen gegen verantwortliche Kommandeure zu verhängen und die Einrichtung eines Sondergerichts voranzutreiben. 

Der Bericht ist auf Englisch bei Human Rights Watch erschienen.