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DR Kongo: Deniz Mukwege im Interview über den Konflikt im Osten des Landes
In einem Interview mit der taz kritisiert der Friedensnobelpreisträger Denis Mukwege die internationale Gemeinschaft scharf für ihre Untätigkeit angesichts des seit 30 Jahren andauernden Kriegs in der DR Kongo. Er spricht von einem „Doppelstandard“, weil manche Konflikte global mehr Aufmerksamkeit erhielten als andere, obwohl es „keine Hierarchie des Leids“ gebe. Die Behauptung, der Krieg zwischen der DR Kongo und Ruanda sei beendet, weist er entschieden zurück: Trotz Abkommen werde weitergekämpft, Zivilist:innen getötet und Menschen vertrieben. Auch neue Waffenstillstandsankündigungen bewertet er skeptisch – es brauche kein weiteres Papier, sondern konsequente Umsetzung internationalen Rechts, etwa der UN-Resolution 2773 mit Forderungen nach Waffenstillstand und Rückzug ausländischer Kräfte.
Mukwege wirft internationalen Akteuren vor, durch Finanzhilfen Regierungen oder Strukturen zu stützen, die in Kriegsverbrechen verwickelt seien. Zugleich kritisiert er die kongolesische Regierung für mangelnde Reformen von Armee und Justiz sowie für Korruption und schlechte Regierungsführung. Er fordert eine internationale Friedenskonferenz auf Basis des Rahmenabkommens von Addis Abeba und betont, der Konflikt sei auch ein Wirtschaftskrieg um strategische Mineralien wie Kobalt und Tantal, von denen die ganze Welt profitiere.
Besonders alarmierend sei der massive Anstieg sexualisierter Gewalt: Alle bewaffneten Gruppen seien beteiligt, die Zahl der Opfer – auch von Kindern – steige drastisch. Frieden könne nicht durch Waffen entstehen, sagt Mukwege, sondern nur durch Rechtsstaatlichkeit, Reformen, internationale Verantwortung und ein Ende der Straflosigkeit.
Denis Mukwege (*1955 in Bukavu, DR Kongo) ist ein kongolesischer Gynäkologe und Menschenrechtsaktivist. Er gründete 1999 das Panzi-Krankenhaus in Bukavu, das weltweit für die Behandlung von Überlebenden sexualisierter Kriegsgewalt bekannt wurde. Für seinen Einsatz gegen sexualisierte Gewalt als Kriegswaffe erhielt er 2018 den Friedensnobelpreis.
Das Interview ist auf Deutsch in der taz erschienen.